Saint Philbert

 

Lagebeschreibung

Unsere Partnerstadt Saint Philbert de Grand Lieu (Kurzform St Philbert) liegt im Westen Frankreichs in der Région Pays dela Loire am Atlantik. Nachbarregionen sind

- Bretagne und Basse-Normandie im Norden

- Centre im Osten und

- Poitou-Charente im Süden 

 

 

   

Lage der Région Pays de la Loire mit fünf Départements innerhalb Frankreichs...

 

...und ihren Nachbarregionen

 

 

Die Région Pays de la Loire ist - wie in Frankreich üblich - in eine Reihe von Départements gegliedert. Wie im rechten oberen Bild erkennbar ist, sind dies:

- Loire-Atlantique,

- Mayenne,

- Sarthe,

- Maine et Loire und

- Vendée

Unsere Partnerstadt St Philbert de Grand Lieu liegt in dem mit über 1,1 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Département Loire-Atlantique der Région Pays de la Loire und dort wiederum im Arrondissement Nantes.

Hauptstadt der Région Pays de la Loire ist Nantes, die mit rund 286 000 Einwohnern sechstgrößte Stadt Frankreichs, die alte Herzogsstadt der ehemals von Frankreich unabhängigen Bretagne. Einschließlich seiner Vororte wohnen in Nantes sogar etwa 600 000 Menschen.Mit mehr als 36 000 Studenten besitzt Nantes auch die viertgrößte Universität des Landes, die bereits 1460 gegründet wurde. Die Région Pays de la Loire umfasst rund 32 000 km² und ist damit etwas kleiner als Nordrhein-Westfalen mit 34 000 km². Während hier aber etwa 18 Millionen Menschen leben, sind es dort nur 3,2 Millionen. Die Région ist also - verglichen mit unserem bevölkerungsreichsten Bundesland - recht dünn besiedelt. Im Südwesten der Région erstrecken sich über 300 km Atlantikküste mit zum Teil weiten Sandstränden, aber auch niedrigen Klippen. Das Landesinnere ist durch niedrige Hochebenen und eine Reihe von Flusstälern gekennzeichnet. Die Landwirtschaft spielt eine bedeutende Rolle. Obwohl hier nur etwa 6% der Bevölkerung tätig sind, nimmt die Region Pays de la Loire in Frankreich den Spitzenplatz bei der Fleischerzeugung, der Milchverarbeitung und dem Obstanbau (Äpfel und Birnen) ein.Aufbauend auf dieser Nahrungsmittelerzeugung entstanden viele, zum Teil bedeutende Nahrungsmittelverarbeitungsbetriebe, aber auch der zugehörige Nahrungsmittelmaschinenbau spielt für die Région eine wichtige Rolle. Von erheblicher Bedeutung ist - insbesondere im Süden das Départements Loire-Atlantique, in dem unsere Partnerstadt liegt - auch der Gemüse- und Weinanbau. Dort wächst unter anderen der berühmte Muscadet-Wein.Von Bedeutung sind an der Küste auch Fischfang und Werftindustrie, vor allem in St Nazaire, wo u.a. die Queen Mary II gebaut wurde. Größter Arbeitgeber im Binnenland ist die Automobilindustrie mit den Renault-Werken in Mans und Scania.

 

Ortsbeschreibung

Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Persönlichkeiten

Die Geschichte unserer Partnerstadt St Philbert de Grand Lieu ist untrennbar mit einem der großen Heiligen des frühen Mittelalters verbunden, der ja schließlich auch zum Namensgeber wurde. Es handelt sich dabei um den 617 / 618 geborenen und 684 gestorbenen Saint Philibert. Er war ein Freund des damaligen Merowingerkönigs Dagobert und gründete im Laufe seines Lebens mehrere Klöster, darunter 654 Jumièges bei Rouen und 674 Noirmoutier auf der im Atlantik südlich der Loire-Mündung gelegenen gleichnamigen Insel. Dort ist er auch 684 gestorben. Um seine Gebeine vor den damals immer wieder die Küstenregionen verheerenden Normannen zu schützen, überführten sie seine Ordensbrüder weiter ins Landesinnere in einen kleinen Ort mit Namen Deas, aus dem sich schließlich unsere Partnerstadt St Philbert de Grand Lieu entwickelte. Unter Ludwig I. (dem Heiligen), einem der Söhne Karls des Großen, wurde im damaligen Deas von Abt Arnoult von Normoutier für seinen großen Vorgänger eine karolingische Abteikirche errichtet, die - nach mehrfachen Umbauten und umfangreichen Renovierungsarbeiten - heute als Wahrzeichen und Schmuckstück der Stadt angesehen werden kann. Diese wurde übrigens schon 1119 von Deas in St Philbert umbenannt. In einem noch vorhandenen großen und schweren Marmor-Sarkophag befanden sich die Gebeine Philiberts nur wenige Jahre, denn die Normannen drangen jetzt auch ins Landesinnere vor und zerstörten dabei 847 auch die Kirche in Deas. Kurz zuvor hatte man die wertvollen Reliquien von dort schon wieder weggebracht. Auf einigen Umwegen gelangten sie schließlich nach Tournus in Burgund, wo mit der nach dem Heiligen benannten Abteikirche St Philibert einer der schönsten romanischen Sakralbauten Frankreichs steht.Auch die im neugotischen Stil zwischen 1862 und 1869 errichtete Pfarrkirche von St Philbert de Grand Lieu mit ihrem 65 m hohen Turm ist nach dem Heiligen benannt. Berühmt ist die in der Kirche stehende Orgel der Brüder Adrien und Salomon Van Bever, die in Amiens und Brüssel ihre Werkstätten hatten. Die hier erwähnte Orgel wurde in den Jahren 1893 / 94 für die Kirche St. Grégoire in Tours erbaut und dort auch aufgestellt. Erst 1920 erwarb St. Philbert die wertvolle Orgel und ließ sie nach hier verbringen.In der Nähe der Kirche befindet sich das Denkmal für den 1805 in St. Philbert geborenen General Christophe de Lamoricière, der bei der Eroberung Algeriens Gouverneur der Provinz Oran war und der nach jahrelangen harten Kämpfen schließlich 1847 den berühmten algerischen Freiheitskämpfer Abd el-Kader besiegte und gefangen nahm. Dafür wurde ihm 1909 in Constantine ein Denkmal errichtet, das nach der algerischen Unabhängigkeit dort abgebaut und 1969 nach St Grabmal Lamoricières, der 1865 starb, befindet sich in der Kathedrale von Nantes.

 

 

 

St Philbert mit dem nordwestlich der Stadt erkennbaren See

 

Eine besondere Attraktion unserer Partnerstadt ist der in der Nähe gelegene Lac de Grand Lieu, ein ungewöhnlicher flacher Binnensee, mit jahreszeitlich stark wechselnden Wasserständen. Die vom See bedeckte Fläche schwankt dabei von 35 bis 65 km², die Wassertiefe von 1,6 bis 4,0 m. Bei maximaler Ausdehnung ist der See das größte Binnengewässer Frankreichs. Der See wird von zwei Zuflüssen mit Namen l’Ognon und Boulogne (fließt durch St Philbert) gespeist,Der Lac de Grand Lieu ist ein Naturparadies mit über 250 verschiedenen Vogelarten, darunter der größten Graureiher-Kolonie Europas. Unter den rund 50 am See lebenden Säugetieren befinden sich auch Fischotter und Nerze. Der Lac de Grand Lieu ist auch ein herrliches Wandergebiet, allerdings ohne Badestrände. Der See hat ohne Zweifel zum Aufschwung des Tourismus in und um St Philbert beigetragen. Einen Badestrand gibt es dennoch in St. Philbert, und zwar an einem kleinen See in der Stadt neben der Boulogne.

 

 

Weitere Sehenswürdigkeiten im Ort sind

  • der zur ehemaligen Abtei gehörende Kräuter- und Obstgarten
  • der alte Kloster-Friedhof,
  • das “Haus der Vögel” mit Exponaten aus dem Bereich des Lac de Grand Lieu,
  • besonders schöne Wanderwege in und um St Philbert, für die es bei der
  • Gemeindeverwaltung besondere Karten gibt.,
  • der “Parc de la Bologne” im Tal des gleichnamigen Flusses, an dem St Philbert liegt, mit Badestrand und Wassersportmöglichkeiten

Unsere französische Partnerstadt bildet heute eine aus 5 Einzelgemeinden bestehende, “Kanton” genannte Verwaltungseinheit, von denen St Philbert mit etwa 7 600 Einwohnern die größte ist. Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt, eine überaus positive Entwicklung. Dazu beigetragen hat sicher die Nähe zur aufstrebenden Wirtschaftsmetropole Nantes (Fahrzeit dorthin nur etwa 15 Minuten) mit ihrem vielfältigen Angebot an Arbeitsplätzen, kulturellen Einrichtungen (Theater, Konzerte, Museen) sowie den vielen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, insbesondere durch die hoch angesehene Universität.Vielfältig ist auch das Vereinswesen in unserer Partnerstadt selbst. So gibt es dort ein bekanntes Blasorchester, einen Gesangverein, eine Jäger-Vereinigung, einen Anglerverein, einen Golfclub, zahlreiche weitere Sportvereine und die in der Stadt hoch angesehene Freiwillige Feuerwehr, die schon zu Besuch bei ihren Bickenbacher Kollegen war. Die Verschwisterung zwischen St Philbert und Bickenbach kam auf französischen Wunsch zustande. Nachdem man schon seit 1986 eine britische Partnerstadt (Radyr & Morganstown) hatte, suchte man als Ergänzung noch eine passende deutsche Gemeinde und stieß dabei auf Bickenbach. Dort wurde das Ansinnen positiv aufgenommen, und unsere Gemeinde beschloss, die Einladung zur ersten Verschwisterungsfeier in Bickenbach auf eine etwas ungewöhnlich Weise nach St Philbert bringen zu lassen: Am 18. Juni 2005 startete in Bickenbach eine aus 8 Radfahrern und zwei Begleitpersonen in einem Kleinbus bestehende Gruppe und kam nach einer Fahrt von rund 1050 km am 2. Juli in St Philbert an, um dort die Einladung zur Verschwisterungsfeier am 10. September 2005 in Bickenbach zu überreichen. Den Radfahrern wurde von unseren französischen Freunden bei ihrer Ankunft ein großer Empfang bereitet. Rund ein Jahr nach der Veranstaltung in Bickenbach fand dann am 29. September 2006 in St Philbert die zweite Verschwisterungsfeier statt, an der Bürgermeister Martini mit einigen Gemeindevertretern und zahlreiche Mitglieder des hiesigen Partnerschaftsvereins teilnahmen. Den Auftakt bildete eine festliche akademische Feier in der alten karolingischen Abteikirche, in deren Verlauf die Verschwisterungsurkunden von den Bürgermeistern unterzeichnet und ausgetauscht wurden. Es schloss sich ein Festzug durch die Stadt an, der von einer Blaskapelle angeführt wurde. In einer kleinen Grünanlage pflanzte Peter Böhm dann ein von der Bergstraße mitgebrachtes Mandelbäumchen und begoss es mit Wasser aus dem Landbach, das er in einem Kanister ebenfalls mitgenommen hatte. Anschließend verteilte er zur großen Freude der Anwesenden von ihm selbst gebackenen Mandelkuchen.Danach setzte der Zug seinen Weg zur örtlichen Festhalle fort, wo er schon von den beiden Bürgermeistern und den Vorsitzenden der Partnerschaftsvereine erwartet wurde. Nach den offiziellen Begrüßungsreden und einem gemeinsamen festlichen Abendessen begann dann ein buntes Programm mit Musik, Tanz und Unterhaltung, zu dem auch Bickenbacher “Künstler” Beiträge leisteten. Bis tief in die Nacht wurde deutsch-französische Freundschaft praktiziert. Seit dieser Zeit gab es viele gegenseitige Besuche und Beteiligungen an jeweils örtlichen Veranstaltungen, in Bickenbach zum Beispiel beim Bachgassfest oder dem Weihnachtsmarkt, wo auf dem Stand des Partnerschaftsvereins dann regional-typische Produkte aus St Philbert (oder Tricarico) angeboten werden. Kontakte und gegenseitige Besuche gab und gibt es auch auf Vereinsebene, zum Beispiel zwischen den Freiwilligen Feuerwehren beider Städte, Orchestern, Kindergärten und Jugendgruppen. Die deutsch-französische Partnerschaft im Rahmen der Verschwisterung hat sich also sehr erfreulich entwickelt.

 

Ein abschließender Hinweis:

Bürgermeisterin von St Philbert de Grand Lieu ist seit 2008 Mme Monique Rabin, die damals nach einer Wahlwiederholung M. Yvonnick Gilet ablöste, der noch auf vielen Fotos in der obigen “Bildergalerie” zu sehen ist.

 

Bildergalerie

 

 

      

Karolingische Abteikirche in St Philbert de Grand Lieu

 

Neu-gotische Pfarrkirche im Ortszentrum

 

 

Denkmal für General Christophe de Lamoricière

 

 

 

      

 

Die Boulogne, einer der Zuflüsse des Lac de Grand Lieu
 

Zur Erinnerung an die Verschwisterung mit der englischen Partnerstadt

 

Die Bickenbacher Radlergruppe im Juli 2005 bei km 1000

 

 

 

      

Bei der letzten Etappe wurde sie vom (damaligen) Bürgermeister Yvonnick Gilet abgeholt

 

 

Verschwisterungsfeier am 23. September 2006 in der Abteikirche in St Philbert mit den beiden Bürgermeistern und den Partnerschafts-Vereinsvorsitzenden
 

 

Der während der akademischen Feier unterzeichnete Partnerschafts-Vertrag

 

 

 

      

Anschließender Festzug durch die Stadt, angeführt von den beiden Bürgermeistern

 

  

Peter Böhm beim Pflanzen des aus Bickenbach mitgebrachten Mandelbäumchens,
das er danach auch noch mit Wasser aus dem Landbach angoss

 

 

Peter Böhm

 

 

 

      

 

Anschließend erwarteten die Bürgermeister und Vereinsvorsitzenden vor der
örtlichen Festhalle die deutschen und französischen Teilnehmer des Umzugs
 

  

Die Bürgermeister begrüßen die Gäste zu einem fröhlichen Abend mit Speisen und Getränken der Region, viel Musik sowie einem bunten Rahmenprogramm

 

 

 

Bootsfahrt mit den deutschen Gästen auf dem Lac de Grand Lieu

 

 

 

   

Philippe Linard erklärt den See mit seiner ungewöhnlichen Fauna und Flora

 

 

Zum Schluss ein Bild mit französischen Freunden in Darmstadt und
zwar auf der Mathildenhöhe vor dem Haus Deiters

 

 

 

 

 

 

 

Partnerschaftsverein Bickenbach e.V.